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Das alte Nürnberg


 

Blick von der Burgfreiung auf Nürnberg 1840

Blick von der Burgfreiung auf Nürnberg 1998

 

Die Stadt und Burg Nürnberg verdankt ihre Entstehung der politischen Erwägung eines fränkischen Kaisers: Der Salier Heinrich III. hatte vermutlich bereits ab dem Jahre 1039 auf dem markanten, etwa 60 m hohem und steil zur Pegnitz abfallenden Felsen (dem heutigen Burgberg) einen Verwaltungssitz errichten lassen; diese Königsburg "Nuorenberc" (ahd. "nuor" = "nackter Fels") entwickelte sich später zur wohl bedeutensten Burg der deutschen Reichsgeschichte. Südlich des Burgfelsens wuchs noch im 11. Jahrhundert die salische Siedlung für die Bediensteten sowie für Handwerker und Kaufleute; sie lehnte sich mit ihren engen Gassen an die Höhenlinien des Burgberges an und ist noch heute an den parallel zu den Höhenlinien verlaufenden Straßenzügen südlich der Burg erkennbar. Ausgehend von der kleinen Siedlung am Burgberg dehnte sich die Stadt schließlich bis in die sumpfige Pegnitzniederung aus.

Das Gebiets der heutigen Altstadt vor dem Menschen

Der Burgberg zu Nürnberg in frühgeschichtlicher Zeit

Entscheidend für die Entstehung und weiteren Entwicklung der Stadt Nürnberg war der Burgbau auf dem in der relativ ebenen Landschaft unvermittelt aufragenden Burgsandsteinfelsen. Abgesehen vom militärischen Nutzen des Felsens war die Lage für eine größere Ansiedlung nicht sonderlich geeignet. Auf den beiden Flußseiten reichte der Urwald nahe an das Steilufer der linken und an die sumpfige Niederung (im Gebiet des heutigen Hauptmarktes) der rechten Pegnitzseite. Der Aufschwung Nürnberg´s war weder von der Verkehrslage begünstigt noch von den Erzeugnissen des kargen Bodens. Trotz des Fehlens natürlicher Standortvorteile schuf die Nürnberger Bevölkerung unter geschickter Ausnutzung der vorliegenden geologischen, hydrologischen und hydrographischen Bedingungen eine der blühensten und mächtigsten Städte der mittelalterlichen Welt.

Das äußere Erscheinungsbild der ersten Nürnberger Burg ist noch weitgehend unbekannt. Jedoch konnten bereits im Jahre 1990 bei Umbauarbeiten im Rittersaal der Kaiserburg die Grundmauern einer salischen Rundkapelle beobachtet werden. Diese Rundkapelle befand sich unmittelbar westlich der (noch heute erhaltenen) romanischen Doppelkapelle. Die direkte Nachbarschaft zweier Sakralbauten war damals ein durchaus üblicher Bautypus, wie der Vergleich mit den Pfalzen in Bamberg und in Goslar zeigt.

Kaiserburg zu Nürnberg

Weiterhin konnten bei den im August 2001 durchgeführten archäologischen Ausgrabungen im Innenhof der Nürnberger Kaiserburg das runde Turmfundament eines salischen Bergfrieds (mit einer Mauerstärke von etwa zwei Meter) sowie Wehrmauerreste freigelegt werden; diese erste Nürnberger Burganlage datiert um das Jahr 1000, ist vermutlich sogar etwas älter. Unter den Bergfried-Fundamenten wurden noch ältere Bauschichten beobachtet, welche wahrscheinlich aus vorsalischer Zeit stammen.

Die heutige Nürnberger Burg gliedert sich in mehrere Teile: Im Osten liegen die im 16. Jahrhundert errichteten reichsstädischen Bauten der Kaiserstallung und des Turms "Luginsland" sowie im Norden und Westen das zwischen 1538 und 1545 durch den italienischen Festungsingenieur Antonio Fazuni erbaute System der Basionen. Burg zu Nürnberg

Der Hauptteil des Berges wird von der Kaiserburg mit dem Palas und der Kemenate, dem "Heidenturm" mit der romanischen Doppelkapelle, den Wirtschaftsgebäuten mit dem bekannten "Tiefen Brunnen" und dem alles überragenden "Sinwellturm" (nhd. "sinwell" = "ganz rund") eingenommen. Die Kaiserburg ist zum Teil staufisch geprägt, wobei die ältesten Teile wohl von Kaiser Friedrich Barbarossa errichtet wurden.

Torgasse und Heidenturm der Burg zu Nürnberg

Im Mittelalter war die Wasserversorgung für die Menschen ein elementares Problem (n.b.: die Bereitstellung und die Nutzbarkeitsmachung dieses lebensnotwendige Nahrungsmittels durchzieht die gesamte Nürnberger Geschichte wie ein roter Faden). Am Burgberg zu Nürnberg besteht nun die besondere Situation, daß die Sandsteinhorizonte dieses Berges in verschiedenen Höhenniveaus von Lettenlagen durchzogen werden. Diese Lettenhorizonte wirken als Grundwasserstauer und bedingen, daß im Burgberg mindestens vier einzelne (hiervon drei schwebende) Grundwasserhorizonte auftreten. So speißen am Südhang des Burgberges schwebende Grundwässer eine Anzahl von Quellen. Beispielsweise rinnt aus dem obersten Grundwasserleiter des oberen Mittleren Burgsandsteins der nur gering schüttende Margarethenbrunnen der Kaiserburg. Der Haupt-Quellgürtel über dem Basisletten des Mittleren Burgsandsteins liegt am Südhang des Burgberges auf einem Höhenniveau von etwa 335 m ü. NN und somit etwa in der Höhe und im Verlauf der Oberen Schmidtgasse. In der Frühzeit Nürnbergs bildeten diese Quellen eine einfache und qualitativ einwandfreie Wasserversorgung für die Patrizierhäuser. Stallungen der Burg zu Nürnberg

Diese selbstständigen Wasservorkommen sind entsprechend der Flächenausdehnung der tonigen Lettenlagen im Sandstein, an die sie gebunden sind, nicht sehr groß: Im Bereich des Nürnberger Burgberges dürften sie eine Fläche von 2 km2 kaum übersteigen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts betrug die gesamte Wasserförderung aus Quellfassungen in Nürnberg etwa 16 l/s. Da die damalige Bevölkerung Nürnbergs rund 25.000 Einwohner betrug, konnte der Wasserbedarf mit dieser Wassermenge keinesfalls gedeckt werden. So erfolgte der Hauptanteil der Wasserversorgung durch Grundwasserbrunnen, wobei die meisten dieser Brunnen wohl nur in die oberflächennahen Grundwasserleiter des Blasen-, Stuben- und Unteren Burgsandsteins abgeteuft worden sind. Die Gesamttiefe der mittelalterlichen Brunnenschächte betrug zwischen 6 und 15 m; die Brunnen waren teils ausgemauert, teils aus dem anstehenden Sandstein ausgebrochen.

Zwei Ausnahmen hiervon bilden die beiden Brunnen der Nürnberger Burg: Die Röhre des heute abdeckten Brunnens der ehemaligen Burggrafenburg befindet sich nur wenige Meter südlich des "Fünfeckigen Turmes". Dieser Ziehbrunnen war etwa 20 Meter tief bis zum Basisletten des Unteren Burgsandsteins abgeteuft worden.

Brunnenhaus d.Tiefen Brunnen u. Sinwellturm

abgedeckter Schacht d. ehem. Brunnens d. Burggrafenburg u. Walpurgiskapelle

Der sog. Tiefe Brunnen der Kaiserburg wurde erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt, ist jedoch vermutlich nahezu so alt wie die Burg selbst. Der Schacht wurde abgesehen von dem vier Meter hohen gemauerten Teil am oberen Ende der Brunnenröhre vollständig aus dem Fels herausgearbeitet. Mit einem Durchmesser von 2,2 bis 1,7 m wurde der Brunnen 53 m tief über den Burg- und Stubensandstein bis zum Blasensandstein und somit in den auf den Vorfluter Pegnitz eingestellten Haupt-Grundwasserleiter abgeteuft. Die Gesamtteufe des Tiefen Brunnens zum Grundwasserspiegel beträgt ab dem Fußboden des Brunnenhauses rund 50 m.

Die Nürnberger Burg und Siedlung gewann aufgrund der Verlegung des Marktrechtes von Fürth nach Nürnberg unter Heinrich III. sowie den um 1070 einsetzenden Wallfahrten zum Grab des Heiligen Sebaldus (einem im Nürnberger Reichswald lebenden Einsiedler, der durch wundersame Krankenheilungen bekannt geworden war) in kurzer Zeit an Bedeutung und Einwohnerzahl. In salisch-staufischer Zeit stieg Nürnberg zu einem der Hauptzentren des Reiches auf. König Konrad III. und seine Nachfolger förderten noch im 12. Jahrhundert durch Umbauten und Erweiterungen der Burg, Stiftungen von Kirchen und Klöstern und der Gründung je eines Königshofen östlich der Burg sowie im Gebiet des heutigen Jakobsplatzes den Ausbau Nürnbergs zur Königsstadt. Bereits damals wurde um den Sebalder Siedlungskern wohl die erste Stadtmauer gebaut.

Sebalder Altstadt

Im Jahre 1163 wurden den Nürnberger Kaufleuten durch Kaiser Friedrich Barbarossa kaiserlicher Schutz und Handelsfreiheit im ganzen Reich garantiert; dieses Handelsprivileg wurde von den nachfolgenden Herrschern immer wieder bestätigt. Der von König Friedrichs II. 1219 erlassene Große Freiheitsbrief leitete v.a. durch die Verleihung eigener Gerichtsbarkeit und Steuerhoheit die Entwicklung Nürnbergs zur Reichsstadt ein. In der nunmehr stark expandierenden Stadt entstanden etwa zwischen 1230 und 1260 die großen Kirchenbauten von St. Sebald und St. Lorenz. In den Jahren 1250 bis 1300 wurden die beiden Stadthälften, nämlich die der Sebalder, und jene der Lorenzer Stadt mit Stadtmauern befestigt; von dieser "vorletzten Stadtumwallung" zeugen u.a. noch der Weiße Turm und der Laufer Schlagturm. Von 1320 bis 1325 wurden die Sebalder und die Lorenzer Stadthälfte, welche bislang durch das Sumpfgebiet beiderseits der Pegnitz getrennt waren, durch eine gemeinsame Stadtmauer umwehrt; zu diesem Befestigungssystem zählen der "Weinstadel" mit dem Henkersteg und die Schuldtürme auf der Insel Schütt.

Am Südhang des Burgberges

Der Aufstieg Nürnbergs zur freien Reichsstadt wurde durch die 1356 von Kaiser Karl IV. verliehene "Goldene Bulle" beschleunigt. Dieser bis 1806 gültige Erlaß enthält neben genauen Modalitäten der Königswahl die Bestimmung, daß jeder neugewählte Kaiser seinen ersten Reichstag in Nürnberg abzuhalten habe. Hierdurch stieg Nürnberg neben Frankfurt -- dem Wahlort der deutschen Könige und Kaiser -- und dem Krönungsort Aachen zur dritten Hauptstadt des Reiches auf und war ab diesem Zeitpunkt die wohl meistprivilegierte Stadt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Diese Bedeutung wurde später noch verstärkt durch den 1423 durch König Sigismund bestimmten Erlaß, Nürnberg zum dauernden Aufbewahrungsort der Reichsinsignien zu wählen.

Herzgasse in der Sebalder Altstadt

Eng verbunden mit dem rasanten politischen Aufstieg war v.a. im 14. Jahrhundert die stark anwachsende wirtschaftliche Bedeutung der Stadt. Besonders durch die Verarbeitung der Eisenerze aus der benachbarten Oberpfalz (dem "Ruhrgebiet des Mittelalters") entstand ein stark expandierendes und hochspezialisiertes Metallhandwerk, welches hauptsächlich hochwertige Waffen und Rüstungen für stets mehr und immer entferntere Absatzmärkte erzeugte.

Karte von Nürnberg 1654

Die letzte, heute noch weitgehend erhaltene Stadtbefestigung Nürnbergs wurde mit ihren Türmen und Wehrgängen wohl noch am Ende des 14. Jahrhunderts fertiggestellt. Bis 1430 wurden die Zwinger erbaut und im Jahre 1452 erlangte die Stadtmauer mit der Fertigstellung der Grabenanlagen ihre Vollendung.

Durch den wirtschaftliche Aufschwung wuchs die Bevölkerungszahl beständig an: Im 15./16. Jahrhundert lebten und arbeiteten in Nürnberg etwa 50.000 Einwohner. In dieser Blütezeit zählte Nürnberg zu einer der größten Städte der damaligen Zeit und wurde aufgrund seiner Bauten und Kunstschätze, seines Reichtums und seiner weltoffenen Politik als "Florenz des Nordens" bezeichnet.

Stollen- u. Felsenkeller d. Burgberges

Aber auch im Untergrund der Altstadt von Nürnberg befinden sich teils umfangreiche Bauten. Diese unterirdischen Anlagen wurden größtenteils unter dem höhergelegenen Teil der Sebalder Altstadt angelegt und sind mindestens seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar; bei ihrem Bau bedienten sich die mittelalterlichen Bauleute der vorliegenden geologischen Verhältnisse. Die unterirdischen Anlagen unterteilen sich in Felsengänge und Felsenkeller.

Wasserstollen mit der Schichtgrenze Letten/Sandstein

Die Felsengänge sind schmale, enge Stollen und erstrecken sich immer nur auf einer einzigen Ebene und auf größere Längen. Ihre Breite beträgt überwiegend kaum mehr als 60 cm und ihre Höhe ist überwiegend so bemessen, daß sie aufrecht gehend durchschritten werden können. Felsenkeller erstrecken sich hingegen sehr oft über mehrere Stockwerke. Ihre lichte Höhe beträgt fast stets über zwei Meter. Die einzelnen Ebenen setzen sich aus großräumigen Gewölben mit nahezu quadratischem Grundriß zusammen: die statisch tragenden Elemente sind die zwischen den einzelnen Gewölben stehengelassenen Felspfeiler.

Wasserstollen mit offener Rinne

Die Felsengänge in den Sandsteinschichten des Burgberges stellen eine Besonderheit der Wassergewinnung im mittelalterlichen Nürnberg dar: Sie wurden ausschließlich zur Gewinnung von Wasser und zu dessen Weiterleitung angelegt. Hierbei orientierte man sich geschickt an den vorliegenden hydrogeologischen Verhältnissen: Dies beruht darauf, daß innerhalb des Burgsandsteins infolge der zwischengelagerten, flächenhaften Lettenlagen mehrere schwebende Grundwasserhorizonte auftreten, aus welchen in verschiedenen Höhenniveaus das in bereits geringer Tiefe vorkommende Sickerwasser gewonnen werden konnte.

Um nun noch mehr Grundwasser aus dem Burgberg gewinnen zu können, machte man sich die flächenhafte Ausdehnung der als Grundwasserstauer wirkenden Lettenlagen zunutze und ging dazu über, in deren hangenden Bereichen lange begehbare Wasserstollen aufzufahren, um somit auf der gesamten Stollenlänge entsprechend große Bereiche der Wasserhorizonte aufzuschließen.

Damit das so gewonnene Grundwasser einer Entnahmestelle oder einem Brunnen zugeführt werden konnte, wurde in der Sohle der Wassergänge stets eine oft mit gebrannten Ziegelplatten abgedeckte Ablaufrinne angelegt. Das Wasser wurde von den Entnahmestollen aus zu möglichst vielen Standorten weitergeleitet. Hierzu wurden an den Mundlöchern der Wasserstollen tiefe und breite Wasserbecken oder -gewölbe mit entsprechenden Fassungsvermögen geschaffen, von denen ausgehend hölzerne oder bleierne Leitungsröhren oder aus dem Fels gehauene Gänge weiter zu den Verbrauchsstellen führten. Diese "Röhrengänge" hatten im Gegensatz zu den Wassergewinnungsstollen meist nur eine geringe Höhe, so daß man zu Kontrollbefahrungen durch sie nur hindurchkriechen konnte. Die Gesamtlänge einiger Stollensysteme betrug rund 2 km, wobei eine Gesamt-Grundwasserschüttung bis 2.000 l/h erreicht werden konnte.

Stollenende der Schildbrunnleitung

Wann in Nürnberg erstmals Felsengänge zur Wassergewinnung aufgefahren wurden, ist urkundlich nicht genau belegbar: Eine städtische Rechnung aus dem Jahre 1383 scheint auf die Entlohnung von Arbeiten an einem der geheimen Wasserstollen hinzudeuten. Der älteste, sichere Schriftbeleg über die Wasserstollen stammt aus dem Jahre 1459. Auch ist bis heute nicht vollständig geklärt, wo überall in der Stadt Nürnberg unterirdische Stollensysteme bestanden haben und wie groß sie insgesamt waren. Das gesamte Netz aller jemals unter der Stadt angelegten Wassergewinnungsstollen kann wahrscheinlich niemals mehr vollständig rekonstruiert werden. Der Grund für das mangelhafte Wissen über diese unterirdischen Anlagen ist in der  während der reichsstädischen Zeit gepflogenen strikten Geheimhaltung derartiger Anlagen zu suchen. Die unterirdischen Felsengänge zur Wassergewinnung wurden vom Rat der Stadt ganz offiziell als "geheime Gänge" bezeichnet. Diese fast ängstlichen Geheimhaltungsbestrebungen waren in wichtigen Sicherheits- und Verteidigungsüberlegungen begründet: Da über die Felsengänge und Einzelbrunnen im Burgberg nur relativ wenig Trinkwasser gewonnen werden konnte, ging man dazu über, ergiebige Quellen außerhalb der Stadtbefestigungen zu fassen und deren Wasser über Felsgänge und Rohrleitungen in die Stadt hineinzuführen. So erfolgte die Wasserversorgung des "Schönen Brunnens" am Hauptmarkt aus zwei in Gleißhammer gelegenen Quellen, aus denen mit hohem Aufwand über zwei Holzröhrenleitungen etwa 3.000 l/h in den Brunnen eingespeist wurden.

Wasserstollen der Lochwasserleitung

Die ausgedehnten Felsenkelleranlagen im Burgberg befinden sich überwiegend im höhergelegenen Teil der Sebalder Altstadt. Dieser Bereich läßt sich im Süden relativ genau durch eine gedachte Linie zwischen Neutor und Laufer Tor abgrenzen, was zum einen dadurch begründet ist, daß dieses Gebiet früher besiedelt wurde als die tiefer gelegene Gegend um die ehemals sumpfige Pegnitzniederung. Entscheidend war auch, daß hier im Untergrund der harte und statisch sehr tragfähige Burgsandstein ansteht, so daß im Laufe der Jahrhunderte mehrere der großräumigen Felsenkellersysteme sogar zu mehrstöckigen Anlagen ausgebaut worden sind; hingegen wurden die in den tiefer gelegenen Teilen der Sebalder Altstadt angelegten Felsenkeller aufgrund des dort anstehenden, wenig standfesten Stuben- und Blasensandsteines sowie wegen des geringen Flurabstandes zum Grundwasserstockwerk des Pegnitztales mit nur geringen Spannweiten der Gewölbe und nur auf einer Ebene gebaut. Die Gesamtfläche der heute noch bestehenden Felsenkeller beträgt etwa 20.000 m2.

In jüngster Vergangenheit waren die ausgedehnten Felsenkelleranlagen bereits im Jahre 1938 in die Planung von bombensicheren, öffentlichen Luftschutzräumen einbezogen worden. Viele der alten Felsenkellersysteme wurden mit Spritzbeton und Backsteinmauern ausgekleidet und durch Gewölbegänge miteinander verbunden. Diesen Baumaßnahmen war es zu verdanken, daß während des II. Weltkrieges hier rund 20.000 Menschen Schutz vor den massiven Luft- und Bombenangriffen auf Nürnberg finden konnten.